Leserbrief zu Nr. 108 NZZ, S. 30
Wer ist da der Träumer?

Wenn der Kieler Professor Rolf Langhammer sich von internationalen Koordinationen politischer Massnahmen wenig oder nichts verspricht (vgl. NZZ 12. Mai 2010, S. 3), kann ihm kaum widersprochen werden. Diese Vorgehensweise verfehlte bisher meist ihr Ziel. Was geschieht aber, wenn die Regierenden und Regierten früher oder später erkennen müssen, dass es einer übernationalen Regelung bedarf, um einen gesicherten Weltfrieden, mehr als die bisherige Abfolge von Waffenstillständen, zu erreichen. Oder kann sich Rolf Langhammer nichts Besseres als die bisherige Weltunordnung vorstellen, sich gar damit begnügen und davon träumen, dass der Status quo das Überleben der Menschheit zu garantieren vermag? Der schwer unterschätzte (weil nicht akademisch gebildete) Bundesrat Adolf Ogi schrieb jedenfalls bereits am 26. September 1996 in einem Brief an den Verfasser: „Der Weltbundesstaat muss kommen. Die Welt wird in dem Masse zusammenwachsen, wie die grenzüberschreitenden Bedrohungen zunehmen. Erst wenn die gemeinsame Not grösser ist als die Vorteile der nationalen Unabhängigkeit, wird es zur Delegation von Souveränitätsrechten kommen.“ Angesichts der allseitigen Bedrohung durch – jetzt 8 – souveräne Staaten im Besitz der Nuklearwaffen, der fortschreitenden unkontrollierten Erderwärmung, dem Hunger in der 3. Welt, dem drohenden Terrorismus und der sich weltweit ausbreitenden Finanz- und Wirtschaftskrise scheint mir der Kieler Professor mehr zu träumen als der frühere „Nur-Assistent“ an der Harvard University und Dozent an der Fordham University (New York), später langjährige Italienkorrespondent von Radio DRS.
 

Victor J. Willi, Rom Disentis

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