Spanische und Helvetische Vergesslichkeit

Mit zunehmendem Greisenalter nimmt das Erinnerungsvermögen bekanntlich ab, meist mehr und mehr, bis zur vielleicht sogar peinlichsten Situation.
Da wurde ein Katalane nach dem Namen seiner Frau gefragt. Er hatte ihn vergessen, wusste beim besten Willen auf die an sich einfachste und natürlichste und pflichtschuldigste Frage an einen Ehemann keine Antwort... bis der Angesprochene auf die glückliche Idee kam, den Fragesteller nach dem heiligen Berg hinter Barcelona zu fragen. Die Antwort lautete natürlich „Montserrat“. Jetzt kam dem von Sinnen gekommenen Mann der Name seiner Frau in den Sinn: „Aja, sie heisst Montserrat.“

Ein einst strammer, aber jetzt halt alter Eidgenosse befand sich bereits in der Badewanne, als er die Seife im Behälter vermisste und seine Frau bitten wollte... doch auch er hatte ihren Namen vergessen, konnte sie aber nicht – zum ersten Mal nach all den Jahrzehnten des Zusammenlebens – mit „Liebling, Liebstes, Liebes, chérie, my dear, my love, mein Alles“ um Hilfe rufen. Dem armen Landsmann blieb nichts anderes übrig, als aus der Wanne zu steigen und die Seife selber zu holen.

Jeder tut, was er kann

Der einfallsreiche Landsmann von Cervantes, dem Autor des unsterblichen (verrückten) Romans DON QUIJOTE DE LA MANCHA kombinierte seine persönliche momentane Vergesslichkeit mit dem immer noch vorhandenen Langzeitgedächtnis, das ihm allemal, wenn er den Montserrat bestieg, daran erinnerte, dass eigentlich, im Grunde genommen, gewissermassen den Wurzeln nach besonnen, seine bessere Hälfte genau gleich heiss wie der beste, wenigstens bekannteste Berg mit dem geschichtsträchtigen Kloster hinter Barcelona.

Der einst tüchtige Schweizer konnte nicht anders als tüchtig, wie er war, seine ungebrochene Tüchtigkeit unter Beweis zu stellen und sich tüchtig das zu holen, was er dringend brauchte.

Victor J. Willi, Rom Disentis

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