Am liebsten wäre ich Dorfpfarrer geworden - mit meiner Mutter als Köchin
Albino Luciani / Johannes Paul I.
Von der Seligsprechung Johannes Pauls I.
Das einsame Sterben des von uns und wir von ihm überforderten Papstes der 33 Tage empfiehlt auch dieses Jahr – wie 1998 und 2008 – eine ihm geweihte Nachtwache vom 28. auf den 29. September zwischen 22 Uhr und 3 Uhr in der Früh.
- Die erstaunliche Vorahnung seines Nachfolgers Johannes Paul II während der Sedisvakanz: „Wer weiss, die Bedeutung dieses Papstes steht im umgekehrten Verhältnis zur Kürze seines Pontifikates“.
Laut gewissen Stimmen aus dem Vatikan wird die vor Jahren eingeleitete Seligsprechung Albino Lucianis / Johannes Paul I. „nicht mehr lange auf sich warten lassen“. Vorsicht ist geboten: Es kann bis zur Ankündigung noch Jahre, vielleicht aber auch nur Monate dauern. Jedenfalls hat der Vatikan schon häufig etwas auf die lange Bank Geschobenes plötzlich zum fait accompli gemacht. Während meines Besuches im Centro Spirituale die Papa Luciani in S. Giustina unweit von Belluno erklärte der für die Selig- und Heiligsprechungen zuständige Kardinal Martina die Schwierigkeiten der Eröffnung des Verfahrens für die Seligsprechung Albino Lucianis... und wenig später wurde dieses Verfahren eröffnet!
Eines steht fest: Die vielen hunderttausend Veneter und Venezianer, die Albino Luciani noch als einfachen Monsignore, stellvertretenden Seminardirektor, Bischof von Vittorio Veneto, Patriarch von Venedig und schliesslich 260. Papst der Kirchengeschichte erlebt haben, wünschen sich seit Jahrzehnten die Selig- und dann Heiligsprechung dieses Seelsorgers, den sie schon zu Lebzeiten als heiligmässig lebenden Menschen kennenlernten. Sie verfügen seit 1980 über ein sehr aktives Begegnungszentrum und ein eigenes Sprachrohr mit der bezeichnenden Überschrift HUMILITAS (Bescheidenheit). In jeder Nummer findet sich ein Aufsatz Albino Lucianis aus einem der neun Bände seiner Opera momnia (nach dem Tod gesammelte Schriften, leider lediglich in italienischer Sprache veröffentlicht und längst vergriffen).
Der Letzte wurde der Erste
Was man wahrlich nicht von jedem Papst behaupten kann: Albino Lucviani tat alles, um seiner Wahl als Papst, ja bereits als Patriarch von Venedig und Bischof von Vittorio Veneto zu entgehen, eroberte dann aber bei der ersten Begegnung mit den Römern auf dem Petersplatz und dem Fernsehpublikum von 64 TV-Stationen auf fünf Kontinenten von der Loggia her sofort die Herzen der Menschen, Gläubigen und Ungläubigen. Er verfüge nicht über die sapientis cordis (Herzensweisheit) Johannes XXIII., ebenso wenig die Kultur und gute Vorbereitung Pauls VI, werde aber alles versuchen, sich ihrer würdig zu erweisen und bat die Menschen des Erdkreises um ihr Gebet und ihren Beistand.
Als mein Stiefsohn Stefan, eher agnostisch eingestellt, dies hörte, sagte er spontan: „Wenn alle Päpste so wären, gäbe es bald nur noch Katholiken“. Um so nachhaltiger hat die Nachricht von seinem plötzlichen Tod 33 Tage später die Weltöffentlichkeit, nicht nur die Gläubigen, berührt und erschüttert.
Freilich sind es Tag für Tag weniger Zeitzeugen, die bestätigen können, was Millionen, Milliarden (?) Menschen damals im besten Sinn des Wortes begeisterte und Anlass bot, 20 und 30 Jahre nach dem Tod dieses einzigartigen Papstes wegen seines einsamen Sterbens – nicht wie üblich umgeben von Würdenträgern und Familienangehörigen – eine globale Nachtwache während der fünf offenen Stunden des 28. auf den 29. Septembers zwischen 22 Uhr und drei Uhr in der Früh vorzuschlagen. 1998 wurde sei weltweit mehr befolgt als zehn Jahre später, als die Erinnerung an diesen wunderbaren Papst nicht mehr so lebendig war.
Der von uns und wir von ihm überforderte Papst
Bis zum Jahr 2000 stand bei sozusagen allen, die sich mit dem Leben, Sterben und Tod Johannes Pauls I. auseinandergesetzt haben, die Überzeugung im Vordergrund, dieser Papst sei der Überforderung seines hohen Amtes zum Opfer gefallen. Erst im 3. Jahrtausend mag sich die Überzeugung durchsetzen, dass Johann Paul I. der nicht nur von uns, sondern wir von ihm überforderte Papst gewesen ist, der uns durch seine überzeugende Einfachheit gelebte, nicht nur gepredigte Bescheidenheit, mehr als jeder Papst vor und nach ihm überzeugte. Offenbar war die Menschheit vor 31 Jahren noch nicht fähig und bereit, einen derart gütigen, demütigen, selbstkritischen, aber auch überaus humorvollen Papst zu erkennen und anzuerkennen. Manches spricht dafür, dass sich dies im jetzigen Millennium ändern wird und trotz der Kürze seines Pontifikates Johannes Paul I. als eine wegweisende Papstgestalt in die Kirchengeschichte eingehen wird.
Erstaunlich, dass dies sein Nachfolger mit dem nicht von ungefähr gleichen Namen – Johannes Paul II. - kurz nach dem Tod Johannes Pauls I. Als Kardinal von Krakau geahnt hat, als er – tief betrübt über den Tod seines Freundes – erklärte: „Wer weiss, die Bedeutung dieses Papstes steht im umgekehrten Verhältnis zur Kürze seines Pontifikates.“
Durch diesen Satz hat der Vorgänger des jetzigen Papstes, der aus Ehrfurcht millionenfach zum Grabe begleitete Johannes Paul II. für sich und seinen Vorgänger ein grosses Zeichen gesetzt.
Auch der jetzige Oberhirte der katholischen Kirche ahnte – kaum hatte er die Todesnachricht in Quito erfahren – was sein Vorvorgänger für die weit ins 3. Jahrtausend nach Christus reichende Kirchengeschichte bedeutete: „Wie konnte ein derart guter Mensch so schnell dem Heiligen Stuhl entzogen werden? Dann kam mir der Satz in den Sinn, der auf Marcellus II. gemünzt war. Auch jener Papst ist plötzlich gestorben, 'gezeigt, nicht gegeben'. Seither wird es immer offensichtlicher, dass auch das 'Zeigen' seine Bedeutung hat. Papst Luciani bleibt in der Erinnerung aller als der gute Seelsorger. Er hat sein Leiden in ein Lächeln der Güte verwandelt, und diese
Victor J. Willi, Rom Disentis
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