La Suisse dans l'histoire du monde aura le dernier mot
André Siegfried, l'académicien français
 

Karfreitagsgedanken über Pfingsten hinaus

Der Justizirrtum, dem irgendwer irgendwo irgendwann zum Opfer gefallen ist, bedeutet – so gross er gewesen sein mag und vom Enttäuschten empfunden wurde – ein Nichts im Vergleich zum grössten Justizirrtum der Weltgeschichte. Dieser Karfreitagsgedanke muss jedem Bewohner dieser krummen Erde zum besonderen Trost gereichen, wenn er sich im Tiefsten seiner Seele durch die Gewalt eines Einzelstaates verletzt fühlt und hofft, diese Eigenmächtigkeit bald einmal zu Gunsten des Weltrechts einer Weltkonföderation geschwächt zu sehen. Selbst dieser Sprung vom losen Staatenbund der UNO zum Bundesstaat der USM (United States of Mankind) wird kein Himmelreich auf Erden bescheren, kann aber die Menschheit auf dem langen Weg vom blossen Recht zur erforderlichen Gerechtigkeit wenigstens einen Schritt in der richtigen Richtung vollziehen lassen.

Bedrohte Menschheit

Sollte das Leiden von Jesus Christus nicht auch so gesehen werden, damit die Chancen des Überlebens der von fünf Staaten her bedrohten Menschheit sich erhöhen können, wir nicht länger der Spielball der Grossmächte und ihrer selbstherrlichen Gipfeltreffen sind und den Gefahren des Atomtodes, der Erderwärmung, des sich vielleicht bald auch in unserer Mitte ausbreitenden Hungers und Durstes, des Weltterrorismus und der Seepiraterie und neuerdings der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht mehr so akut ausgesetzt sind?
Darf – ja sollte Ostern nicht auch in diesem Licht gesehen, über Pfingsten hinaus, für alle Menschen, nicht nur Christen, verbindlich werden? Bereits am 24. September 1996 schrieb der damalige Chef des Eidgenössischen Militärdepartements Adolf Ogi in einem Brief an den Verfasser: „Die Welt wird ohne Zweifel weiter zusammenwachsen. Sie wird aber nur in dem Masse zusammenwachsen, wie die globalen und grenzüberschreitenden Bedrohungen zunehmen. Erst wenn die gemeinsame Not grösser ist als die Vorteile der nationalen Unabhängigkeit, erst wenn Frieden als Überlebensstrategie erfolgversprechender erscheint, wird es zur Delegation von Souveränitätsrechten kommen. Der Weltbundesstaat kann nicht als Utopie erzwungen werden. Er muss allmählich wachsen. Das braucht seine Zeit…“

Die Chancen heute

Bange Frage heutzutage: Waren die Chancen 1992 nach dem zweiten Golfkrieg, noch mit Gorbatschow an der Spitze der Sowjetunion, Madame Thatcher, Mitterand Kohl und einem leider schwachen amerikanischen Präsidenten nicht viel grösser oder aber kleiner als im Jahre 2010 nach dem Debakel des von der UNO und dem Sicherheitsrat nicht gutgeheissenen amerikanisch-britischen Überfalls auf Irak, als unverhältnismässige Reaktion auf den Anschlag auf die Twin Towers in New York? Oder sind sie mit Barack Obama als starke Führerpersönlichkeit, mit Hilfe des wichtigsten Überwinders des Kalten Krieges, Michael Gorbatschow, Friedensnobelpreisträger 1995, heute grösser geworden?

erschienen in der Schweizerischen Kirchenzeitung am 17. Juni 2010
 

Victor J. Willi, Rom Disentis

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