Warum Enkel mit ihren Grossvätern besonders gut auskommen

An einem Tag möchte man die Welt umarmen,
am nächsten sich vor ihr verstecken.
Das ist das Los der ganz jungen und sehr alten Menschen:
Mit ein Grund, warum sie sich untereinander meist gut verstehen,
warum das so sei:
die Grossväter sich mit ihren „Grosskindern“ besonders gut verstehen.
Ich wusste es nicht,
er wusste es und sagte mir
„parce qui'ils ont un ennemi en commun“
(weil sie einen gemeinsamen Feind haben).
Wer das ist, musste er mir nicht lange erklären,
und auch die Leser haben es längst begriffen:
seine Eltern - meine Tochter und der Schwiegersohn sind gemeint -
sie müssen den 17-jährigen gelegentlich zurechtweisen.
Das bleibt mir erspart,
schon weil ich nicht bei ihnen wohne,
sie nur sehe in den Ferien und – sehr selten – auch an Wochenenden,
wenn ich sie und ihn mit Geschenken überhäufe.
Das gehört nun mal zum Dasein eines grand-père, Daddy oder Grossvaters,
des nonno und des abuelo.
Ich musste herzlich lachen,
als er mir den Grund des besonders guten Einvernehmens
zwischen ihm und mir erklärte
vor der Jasspartie am gleichen Abend,
wir – der Enkel und ich – sind ein Paar,
die Eltern unsere Gegner.
Jetzt spielt der Belgier besser als ich 
und lässt es mich manchmal spüren,
liebevoll mit Rücksicht auf mein Alter und die Vorgeschichte:
Mehr als zehn Jahre sind vergangen,
dass ich Pierre das Skilaufen beibrachte,
jetzt flitzt er an mir vorbei,
lässt mir buchstäblich das Nachsehen...
Recht so, das ist der Gang der Zeit,
der Abfolge der Generationen
seit Adam und Eva, nachdem sie aus dem Paradies vertrieben wurden;
wir – er und ich und alle, die nach uns kommen,
mit dieser krummen Erde Vorlieb nehmen müssen.

Victor J. Willi, Rom Disentis

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